Beauceron

 

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Das Wesen des Beauceron



Wie ist er denn nun, der Beauceron?
In manchen Büchern stehen einige Schauermärchen über ihn, seine Aggressivität würde der eines Rottweilers kaum nachstehen; wenn man seine Kinder maßregelt, sollte man ihn besser wegsperren, weil er sie beschützen will, sind nur einige davon. Er ist dominant, er beißt alle Fremden, ist aber immer freundlich zu Kindern, man kann ihn nicht in einer Mietwohnung in der Stadt halten, sind andere Beschreibungen.

Nun, manches davon ist bedingt richtig, einiges kompletter Unsinn.

Laut Standardbeschreibung soll er ruhig - mutig sein; alle Hunde, die grundlos aggressiv, ängstlich oder übertrieben scheu sind, sind auf Ausstellungen zu disqualifizieren. Auch außerhalb des Ausstellungsringes wäre ein Beauceron, der sich so verhält, gefährlich für seine Umwelt. Aber dort kann man sich ganz gut die zukünftige Mutter, wenn man Glück hat, auch den Vater seines Hundes ansehen, denn Ausstellungen sind oft großer Stress für die Hunde. Trotzdem sollte ein Besuch beim Züchter zu Hause in Betracht gezogen werden, die Hunde verhalten sich dort oft ganz anders.

Aaron und Aias

Der Beauceron ist nicht mehr und nicht weniger aggressiv als der Rottweiler, da beide Rassen, wenn sie vernünftig gezüchtet und geprägt worden sind, nicht gefährlicher sind als andere große Hunde. Sie haben normalerweise eine hohe Reizschwelle und sind nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Selbstverständlich gibt es immer wieder die berühmten Ausnahmen, die aber nicht zum Rassestandart oder zum Wesen gehören. Erziehungsfehler seien hier genauso erwähnt wie falsche Prägung durch den Züchter. Durch unterschiedliche Zuchtziele gibt es auch im Wesen große Unterschiede.
Einige Beaucerons sind wirklich Fremden gegenüber zurückhaltender als Andere, genauso die Verteidigungsbereitschaft für die Familie, Haus und Hof bei manchen ausgeprägter ist. In nachfolgenden Beispielen kann ich nur über die Erfahrungen berichten, die ich mit meinen eigenen Hunden gemacht habe.
Aber ein guter Züchter wird gerne bereit sein, das Wesen seines(r) Hunde(s) darzulegen.

1. Beispiel

Mein erster Hund Aaron ist ein Beauceron, der meines Erachtens ein wenig aus der Art geschlagen ist. Von Anfang an waren Menschen für ihn das Größte, selbst ihm völlig fremde Menschen werden von ihm absolut freundlich begrüßt, einmal ist er sogar quer über die Strasse gelaufen, weil die Leute auf der anderen Seite ihm sympathisch waren. Nie hat er versucht, einen unbekannten Besucher zu stellen oder auch nur anzuknurren. Im Gegenteil, einer etwas ängstlichen Freundin hat er sich demonstrativ auf den Schoß gesetzt und mit ihr gekuschelt, um ihr zu beweisen, dass er ihr nichts tun will. Aaron übersieht bei diesen Menschen die Angst und nutzt sie niemals aus. Es gibt Hunde, wenn sie die Angst von Menschen spüren, diesen erst recht noch mehr Angst machen, in dem sie sie anknurren oder ähnliches. Sicher ist er sehr neugierig und inspiziert jede Handwerkertasche, allerdings nur, um das Frühstücksbrot zu finden.

Auch fehlt ihm so ziemlich der Instinkt zum Hüten. Als er noch Welpe war, hat er sich sogar vor Schafen gefürchtet. Erwachsen allerdings hat er dann doch versucht, die Schafe im Gatter am Deich zu hüten. Nur gut, dass er nicht hinein konnte. Außerhalb des Zaunes trieb er die Schafe in verschiedene Richtungen und schien ganz stolz darüber zu sein, dass es klappte. In den meisten Fällen interessiert es ihn auch nicht, wo sich bei einem Spaziergang der Rest der Familie befindet. Hauptsache, er weiß immer, wo ich bin.
Wenn wir nach Hause kommen, freut er sich bei mir am Meisten. Bei allen Anderen ist meistens nach kurzer Zeit die Freude vorbei. Nur wenige ausgesuchte Personen werden besonders stürmisch durch Anspringen begrüßt. Auf Grund seiner Größe habe ich ihn dazu erzogen, keine Menschen anzuspringen und deshalb schmiegt er sich überwiegend wie eine Katze an die Beine der Leute. Wenn man einen Schritt zur Seite macht, fällt er fast um.

Aias

Auch man darf nie vergessen, dass Hüte - und Jagdinstinkt so ziemlich dasselbe ist und jagen immer vorkommen kann. Aaron versuchte als Junghund immer, die Möwen am Deich zu fangen. Auch heute beobachtet er sie noch genau, auch wenn er mittlerweile wohl weiß, dass er sie nicht bekommt.

Mit uns im Haus leben auch noch zwei Katzen, die er voll akzeptiert hat, was aber nicht heißen soll, dass er deshalb alle Katzen mag. Wehe, der Katze, die unser Grundstück betritt. Also ist bei ihm doch ein gewisser Grad an Territorialverhalten vorhanden. Auch Katzen oder Hasen in freier Natur sind für ihn immer eine Versuchung wert. Aaron hat durchaus auch Jagdinstinkt im Blut, aber er ist gut unter Kontrolle zu halten. Er merkt sich auch immer die Stelle, an der die Katze oder der Hase zuletzt verschwunden sind und auf dem Rückweg will er doch noch mal nachsehen.

Was mich immer wieder erstaunt, ist Aaron's Sinn für Gerechtigkeit. Auch wenn er sich durch einen bedauerlichen Zwischenfall in der Welpenzeit nicht unbedingt mit jedem goldfarbenem Hund gut stellen kann, greift er bei extremen "Mobbingverhalten" ein und verteidigt den Schwächeren, selbst wenn es ein solch' heller Hund ist.
Sollten ihm aber Hunde begegnen, die sich vor ihm fürchten, obwohl er ihnen nichts getan hat, neigt er dazu, diese Hunde zu ärgern. Dabei sieht er dann aus, als würde er darüber feixen. Man muss ihn schon energisch zur Ordnung rufen.
Wenn der andere Hund sich aber dann mal ihm gegenüber durchsetzt, akzeptiert er das und die Sache ist für ihn erledigt. Auch scheint er zu spüren, wenn ein anderer Hund kein korrektes Sozialverhalten hat. Er demonstriert diesem seine absolute Dominanz durch Kopf auf den Rücken legen oder durch Besteigen.
Er tut dies, obwohl wir Menschen bisher kein auffälliges Verhalten des anderen Hundes feststellen konnten. Später hat sich aber schon öfter bestätigt, dass er recht hatte.

Obwohl Aaron dominant ist, ist er kein Raufer. Er regelt Hundebegegnungen wirklich hundegerecht. Frei laufend brauche ich bei ihm nur selten Sorge wegen einer Beisserei zu haben. Es ist faszinierend zu beobachten, wie die Hunde ihre Signale durchspielen, wie sie auch in " Calming Signals " von Turid Rugaas beschrieben werden. Ranghöheren Hunden begegnet Aaron mit abgewandtem Kopf und geht in größerem Bogen an ihnen vorbei. Wird er von ihnen gemaßregelt, akzeptiert er das und geht ihnen aus dem Weg. An der Leine hat er wie die meisten Hunde das Problem der großen Klappe. Er lässt sich aber trotzdem bändigen und man bekommt ihn schnell wieder unter Kontrolle.
In eine Keilerei zwischen anderen Hunden mischt er sich nur im äussersten Notfall ein, nämlich nur dann, wenn der zu seinem Rudel gehörende Hund ohne Grund angegriffen wird. Wenn dieser den Streit von sich aus angezettelt hat, bleibt Aaron außerhalb des Getümmels als Beobachter stehen. Einmal konnte ich dieses Verhalten beobachten, als Aias eine Keilerei angezettelt hat und schließlich noch sich zwei weitere Hunde einmischten. Ich hatte nur den Gedanken, Aaron einzufangen, damit er nicht auch noch mitmischt, aber das war unnötig. Er stand ganz gelassen neben mir und hat das Spektakel nur beobachtet. So konnte ich ihn ablegen und meinen pubertierenden Jungrüden aus dem Haufen befreien, den er sich eingebrockt hatte. Der wollte anschließend auf den Arm, weil er unterlegen war.

Aias

Aaron hat keinen ausgeprägten Wachtrieb. Wenn es klingelt, macht er einen Höllenlärm. Als ob man dann noch bellen müsste, das Klingeln habe ich auch selber gehört. Öffnet sich die Tür, beginnt die Begrüßungszeremonie. Nachts sieht die Sache aber anders aus, ich möchte auf keinen Fall behaupten, dass ein Einbrecher freundlich begrüßt wird. Da es noch keiner versucht hat, kann ich darüber keine Angaben machen. Dafür mag er nicht unbedingt stark alkoholisierte Menschen, vor allem wenn sie uns beim abendlichen Spaziergang mit unkontrollierten Bewegungen entgegen kommen.
Er gibt dann merkwürdige Laute von sich, die man nicht als richtiges Knurren bezeichnen kann. Für mich hört es sich an, als wäre er unsicher und versucht, die Lage zu einzuschätzen. Ich versuche dann immer, so zu tun, als wäre alles in Ordnung und die Stimme normal klingen zu lassen. Bisher ist aber auch noch keiner näher heran gekommen, was man doch eher auf die imposante Größe zurück führen mag. Oft sprechen mich die Leute freundlich an und sagen, dass mich wohl bei diesen Hunden keiner überfallen würde.

Aaron ist kein einfacher Hund, sicher nicht für alle Hundehalter geeignet. Als Junghund hat er oft versucht, seine Grenzen auszutesten. Von Menschen, die nicht in der Lage wären, sich ihm gegenüber durchzusetzen, lässt er sich nicht viel sagen. Er stellt die Anweisungen in Frage und will seinen eigenen Kopf durchsetzen. Hat es jemand aber geschafft, dann arbeitet Aaron auch mit diesem Hundeführer bei der Rettungshundeausbildung. Allerdings nur, wenn ich nicht in der Nähe bin. Dann geht er auch nicht mit jedem mit. Es ist dann schon recht schwierig, diesen 70 cm großen und 42 kg schweren Hund davon zu überzeugen, dass er jetzt mit zu gehen hat. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, Aaron vor einem Geschäft ohne viel Aufstand zu stehlen. Streicheln ja, mitgehen nein !

Aias und Aaron

Unter anderem hört man immer wieder von Übelkeit beim Autofahren. Aaron war auch so ein Kandidat, da er bis zur Abholung nie im Auto gefahren war.
Da es nie vorherzusehen war, bei welcher Gelegenheit ihm schlecht wurde, konnte ich ihm auch keine Medikamente geben. Manchmal konnten wir zwei Stunden fahren und es passierte nichts. Ein anderes Mal kamen wir nur bis um die nächste Ecke und es war passiert. Also habe ich das Problem ignoriert, Augen zu und durch. Aber auch heute noch fährt Aaron nicht gerne im Auto, aber es passiert nichts mehr. Dafür hatte ich nie Probleme, ihn an das Alleinbleiben zu gewöhnen. Er blieb lieber zu Hause, als öfter als nötig in ein Auto zu steigen. Trotzdem verteidigt er das Auto vehement gegen Eindringlinge.
Niemals würde jemand meinen Wagen stehlen oder meine Kinder im Auto belästigen. Dort, und nur dort zeigt er eindeutig Wach- und Schutzverhalten. Leider ist das während der Fahrt etwas lästig und wir arbeiten verstärkt daran.

Sensibel? Ja, auch das ist Aaron, auch wenn ich anfangs davon überzeugt war, dieser Hund nicht. Er zeigt es nur nicht so deutlich. Er ist nicht so empfänglich für Stimmungen, wie andere Hunde. Aber, leider, meine Prüfungsangst und der Ärger über eine missratene Prüfung spürt er deutlich und zeigt es auch. Nach unserer ersten Reinfall, an dem, wie meistens, ich schuldig war, ist er drei Tage lang mit hängendem Kopf herumgeschlichen. Es war sehr schwer, ihn aufzumuntern. Mittlerweile laufe ich zwei Mal im Jahr mit ihm die Prüfung, um die Nervosität abzubauen. Und wenn ich warme Hände habe und das Zittern meiner Knie unter Kontrolle habe, klappt es auch. Wenn auch nicht immer so glorreich wie in November 2002.
Alles in Allem ist Aaron ein toller Hund.

Beaucis im Schnee

Beispiel 2
Nachdem Aaron sich so gut entwickelt hat, wuchs der Wunsch nach einem zweiten Beauceron. Da vom ersten Züchter alle Welpen schon vergeben waren, habe ich mich nach einer Alternative umgesehen. Bei einem Sommerurlaub wurde ein Züchter in Belgien besichtigt, bei dem auch gerade Welpen abzugeben waren. Was ich gesehen habe, gefiel mir. Die erwachsenen Hunde wachten zwar am Anfang, nach einer Weile hatten wir aber so ziemlich alle Fünf auf dem Schoß. Die Welpen waren freundlich und aufgeschlossen, allerdings auch kupiert. Deshalb haben wir keinen davon genommen, sondern für den nächsten Wurf reserviert.

Im Frühjahr 2001 wurde dann der Wurf geboren und vier Wochen später habe ich gewählt. Da Aaron nicht gerade der große Esser war, habe ich einen ausgesucht, der gesunden Appetit an den Tag legte. Besonders pfiffig hat er sich durch alle Näpfe gefressen. Ein Fehler? Nun, dass weiß ich noch nicht so genau, aber Aias ist futterneidisch. Er teilt nichts Essbares, lange hat es gedauert, bis beide Hunde nebeneinander aus dem Napfständer gefressen haben. Aaron frisst heute eben etwas schneller, da auch er nicht bereit ist, seinen Teil an den jungen Hüpfer abzugeben.

Von Anfang an entpuppte sich Aias als völlig anderer Charakter als Aaron. Obwohl die Sozialisierung zum Teil besser gestaltet wurde als bei Aaron, nämlich mit Autofahren in den nächsten Ort verbunden mit kleinen Ausflügen, war Aias bei uns zu Hause sehr zurückhaltend.
Draußen während der Spaziergänge war er sehr ängstlich und fürchtete sich im Dunkeln und vor Gegenständen, die plötzlich herumstanden. Mülltonnen und gelbe Säcke waren ihm unheimlich. Er hat viel geweint, wenn man etwas weiter von ihm weg war.
Er kam dann sofort angerannt und wollte auf den Arm. Ein solches Verhalten muss man ignorieren, deshalb musste man ständig aufpassen, dass der kleine Kerl nicht unter die Füße geriet. Behutsam wurde er an die angsteinflößenden Gegenstände herangeführt. Aaron war dabei eine große Hilfe, denn wo er hinging, folgte ihm Aias auch nach einer Weile. Das Ständige an den Füßen kleben hatte aber auch den Vorteil, dass Aias heute beim Abrufen meistens der Erste ist, der wieder da ist.
Insbesondere führt er die meisten Kommandos wesentlich schneller aus als Aaron. Lediglich das "Fuß" gehen behagt ihm überhaupt nicht. Er ist sehr temperamentvoll, ich habe sogar den Eindruck, mehr als Aaron in dem Alter.
Die meiste Zeit des Tages würde Aias lieber spielen und lässt sich sehr leicht ablenken. Aaron hat seine Begleithundeprüfung mit 18 Monaten abgelegt, Aias ist jetzt 19 Monate alt und ist noch weit davon entfernt. Die Freifolge ist da das größte Problem, an dem wir noch zu arbeiten haben.
Ich mache mir darüber keine großen Gedanken, da der Beauceron ein Spätentwickler ist und auch in der Ausbildung erst später in den Prüfungen sicher sind. Es gibt auch dort Ausnahmen, aber sie sind eher selten.

Trümmerarbeit

Aias ist ein Hund, der sich nicht unbedingt von jedem Menschen anfassen lässt, besonders mit der Hand von oben her nicht. Fremden gegenüber ist er zurückhaltend und braucht länger, um mit ihnen warm zu werden. Wen er aber ins Herz geschlossen hat, der wird überschwenglich begrüßt und es ist schwer, ihn vom Anspringen abzuhalten. Mit zunehmendem Alter und durch die Ausbildung legt sich dieses Verhalten langsam. Das macht sich besonders bei den Anzeigeübungen mit wechselnden Helfern bemerkbar. Ist er Anfangs noch häufig zu mir zurückgekommen, bleibt er jetzt zunehmend selbständig am Opfer und bellt jetzt auch mit weniger Hilfe. Hindernisse werden zwar vorsichtig, aber mit mehr Entschlossenheit überwunden.

Aias hat mehr Hüteinstinkt als Aaron, er merkt sofort, wenn ein Teil der Familie fehlt. Die Kinder interessieren ihn mehr als Aaron, beim Spaziergang sind schon mal alle zusammen im Gebüsch verschwunden, während Aaron bei mir bleibt. Auch Schafe und Pferde haben ihm keine Angst gemacht, am Deich klaut er den Schafen sogar das Gras aus dem Maul.

Mit unserem Kater sieht man ihn sogar des öfteren im Garten spielen, dieser lässt sich einiges von Aias gefallen. Aaron hat als Junghund jede Menge Schrammen davon getragen. Auch Aias hat Jagdinstinkt im Blut, im Rudel lässt er sich zum fröhlichen Hasenjagen anstecken, allerdings habe ich bisher noch nicht beobachten, dass er von sich aus angefangen hat. Sollte er sich hinreißen lassen, ist er auch hier schneller wieder auf Ruf zurück. Das Interesse ist dann meistens auch vorbei.

Und noch etwas ist bei Aias von Anfang an anders als bei Aaron, ihm war beim Autofahren niemals schlecht. Möglicherweise liegt es wirklich daran, ob ein Welpe vorher schon mal beim Züchter Auto gefahren ist oder nicht.
Aias ist ein begeisterter Automitfahrer, immer sitzt er zuerst drin. Man könnt ihn ja sonst vergessen!
Der Nachteil daran ist leider, dass Aias nicht gerne allein zu Hause bleiben will. Als Welpe und Junghund hat er versucht, unser Haus in Schutt und Asche zu legen. Mittlerweile geht es, aber nur, wenn Aaron auch zu Hause bleibt.
Wenn also mitten in der Nacht ein Einsatz kommt, bin ich gezwungen, ihn mitzunehmen. Er würde sonst die ganze Nachbarschaft zusammen bellen. Ich denke nicht, dass diese sehr begeistert wären.
Also muss Aias im Einsatzfahrzeug warten, bis ich wieder komme. Um selber an einem Einsatz teilnehmen zu dürfen, muss Aias erst seine Prüfung ablegen.

Aias, 10 Wochen alt

Im Moment befindet sich Aias in der Pubertät, er ist da leider etwas anstrengend. Zu Beginn des Welpenkurses war er sehr zurückhaltend, nie grob mit den kleineren Welpen oder dominant den anderen Hunden gegenüber. Jetzt versucht er mit aller Macht seine Grenzen auszutesten, meistens mit ungefähr gleichaltrigen fremden Rüden. Es handelt sich hierbei um die so genannten Commentkämpfe, die nach Unterlegenheit des Gegners beendet sind. Trotzdem ist es eine anstrengende Zeit, die hoffentlich bald vorbei ist.

Der Beauceron ist ein Spätentwickler und Aias ist ein gutes Beispiel dafür. Im Wachstum hat der Beauceron mit ca. einem Jahr seine endgültige Höhe erreicht, allerdings braucht der Körperbau noch wesentlich länger. Im Allgemeinen dauert es bis zu 3 Jahren, bis diese Rasse körperlich erwachsen ist, genauso lange braucht auch das Wesen. In diesem Alter kann man dann sehen, was der Mensch aus seinem Hund gemacht hat.

Ich habe bei meinen Hunden unterschiedliche Phasen der Pubertät festgestellt. Bei Aaron war das im Alter zwischen 6 und 9 Monaten durchgehend, mit 15 Monaten und nach seiner Kastration im Alter von 2,5 Jahren. Bei Aias war der erste Anflug von Pubertät mit ca. 8 Monaten, dann allerdings erst wieder mit seinen jetzigen 19 Monaten, der nicht kastriert ist.

Aaron April 2003


Im Moment arbeiten wir fleissig an unserer Begleithundeprüfung, am 26. April 2003 ist der Tag der Wahrheit. Aias ist noch immer sehr verspielt und lässt sich leicht ablenken.
Die Freifolge ist ein großes Problem, auch die schönsten und tollsten Leckerlis sind nicht reizvoll genug, er läuft immer ein Stück hinter mir! Er ist doch sonst so verfressen.
"Spielen, spielen, spielen!" sagte die Ausbilderin. "Versuch es mit seinem Ball!
Wenn er gut läuft, wirf ihn weg!"
Und siehe da, es funktioniert!
Aber reicht die Zeit bis dahin noch? Der Tag hat einfach zu wenig Stunden und übertreiben darf man auch nicht, sonst geht noch alles daneben.

Wir haben die Generalprobe für die Begleithundeprüfung am Ostersamstag hinter uns gebracht. Wir sind als letztes Paar an der Reihe gewesen, es war kalt und sehr windig.
Aias sollte als erster Hund in die Ablage gehen, ich bekam Schweissausbrüche. Wird er beim Schuss liegen bleiben? Wir haben es nur geübt, wenn der Hundeführer in der Nähe stehenbleibt, um kein Risiko einzugehen. Alles geht gut, Aias liegt und liegt... der Schuss fällt, nichts passiert. Der zweite Schuss, aber er bleibt liegen. Erleichterung kommt in mir auf. Jetzt ist alles gut, dachte ich!
Die andere Hundeführerin ruft ihren Hund aus dem Platz mit lautem " Hier " ab, Aias springt auf und kommt zu mir. Mist!!! So ein Ärger, aber nicht zu ändern. Jetzt sind wir dran, wir laufen los, Leinenführigkeit klappt wie immer ganz gut, auch die Gruppe. Er hängt zwar etwas hinterher, aber das ist nicht so schlimm.
Dann die Freifolge, schon auf den ersten Metern merke ich, dass Aias hinter mir läuft und an meiner Tasche knabbert. Er sucht seinen Ball, als er ihn nicht findet, bleibt er zurück. Er läuft links, er läuft rechts und sucht und sucht. Von Konzentration leider nichts zu merken.
Wir laufen die Unterordnung trotzdem zu Ende, um dem anderen Hund die Zeit in der Ablage zu geben. Aber mir ist klar... Das war's für dieses Frühjahr. Wir werden einen neuen Versuch im Herbst machen. Vielleicht ist Aias bis dahin noch etwas reifer geworden?

Durch den unerwarteten Verlust von Aaron hat es nun etwas länger gedauert, bis ich hier weiterschreiben konnte. Ich bitte dafür um Verständnis.



Wie man bei den News lesen konnte, hat Aias mittlerweile die Begleithundeprüfung und auch den Praktischen Gehorsam bestanden.Die Freifolge war wie erwartet, nicht so toll, aber es für ein Bestehen gereicht. Leider arbeite Aias bei der Ausbildung zum Rettungshund noch immer sehr unkonzentriert und scheint alles als ein tolles Spiel anzusehen.
Besonders in der Fläche klappt die Suche fast überhaupt nicht. In der Trümmersuche hat er mit bestimmten Untergründen noch Schwierigkeiten, aber die Suchen und Anzeigen klappen schon gut.
Aias scheint ganz extrem zu den Spätentwicklern zu gehören. Aber seinen Ball am Band liebt er noch immer heiss und innig, dafür springt er sogar durch den Feuerreifen, obwohl er Feuer nicht so gern mag. Auch die Geräte läuft er immer besser.



Seit Aaron nicht mehr lebt und Aias jetzt allein zurecht kommen muss, wird er endlich reifer. Bei anderen Rüden reagiert er teilweise wesentlich gelassener und geht Streitereien auch aus dem Weg. Allerdings kann es auch daran liegen, dass er seit März nun kastriert ist und er nicht mehr so sehr konkurieren will.

In den Übungen zur Flächensuche haben wir wieder einmal ein Schritt zurück gemacht und sie in mehrere Teil zerlegt. Als Erstes wird die Anzeige auf Sicht, die gut klappt, noch weiter zu festigen.
Als Zweites muss nun die Suche auf Entfernung, die so gut wie nie klappt, völlig neu aufgebaut. Sobald ich nicht mehr in Aias' Sicht bin, wenn er den Helfer findet, dreht er zu 95 % ab und kommt zu mir zurück oder spielt in der Nähe rum. Die restlichen Anzeigen sind eher Zufall oder der Helfer hat schnell genug reagiert.
Fakt ist wohl, der Helfer/das Opfer ist für Aias noch nicht interesant genug, denn er soll sie ja irgendwann selbstständig verbellen.

Also arbeiten wir mit seinem Ball und Spielen mit dem Helfer daran, dass auch in weiter Entfernung der Helfer wichtiger ist als ich. Später müssen wir diese Teile wieder zusammensetzten.



Zur Zeit ist es noch recht schwierig, ihn zum Bellen zu bewegen, da er den Ball so schnell nicht wieder hergibt, wenn er ihn erstmal hat. Wie es noch weiter geht, werden wir sehen und an dieser Stelle darüber berichten.


Fortsetzung folgt...Hier

 
   

   © 2007 by Manuela Schmidt •  mailto: manuela at berger-de-beauce dot net